Jüdischer Friedhof

Gemuenden · Hunsrück

Ein jüdischer Begräbnisplatz wurde vermutlich im 18. Jh. oder früher auf der Nordseite des Schlosses, zum Simmerbach hin, angelegt. In der preußischen Zeit wurde den Juden die Beerdigung dort polizeilich untersagt. Man forderte sie auf, einen neuen Begräbnisplatz anzulegen. Das geschah dann auch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Weit außerhalb, am „Rothsberg“ im Lametbachtal, fand man ein geeignetes Grundstück. 1904 wird die Größe des jüdischen Friedhofs mit 239 Grä-ber für Erwachsene und 85 Kinder angegeben. Auf dem heutigen Friedhof stehen noch 76 Steine (ohne die alten Gräber). Die letzte Beisetzung fand im Mai 1970 statt.
Insgesamt spiegelt der jüdische Friedhof Gemünden in den schriftlichen Quellen die konfliktreiche Entwicklung des 19. und 20. Jahrhunderts wider. Er zeigt auch die Wandlung jüdischer Begräbnisriten, wie sie sich aus der Anlage der Gräber und der Formulierung der Inschriften ergibt. Hier findet man Grabsteine mit ausschließlich hebräischen Inschriften und traditionellen Bezügen zur religiösen Literatur, aber auch solche mit hebräi-schen und deutschen oder auch nur deutschen Texten. Es finden sich Grabstätten mit allen zur jeweiligen Epoche benutzten Materialien (Sandstein, Marmor Kunststein, Granit, Basalt und Beton. Der Friedhof bietet aber auch einen außergewöhnlichen Beweis für den Patriotismus jüdischer Bewohner zur Zeit des Ersten Weltkrieges. Ein Grabstein aus schwarzem Marmor mit einem Stahlhelm, segnenden Händen, Messer, Koppel und ei-nem Gewehr ist sicherlich einzigartig im Hunsrück.

Weitere Informationen:
Tourist-Information Kirchberg (Hunsrück), Tel. 06763 910144

Jüdischer Friedhof


Jüdischer Friedhof
Rothsberg
55490 Gemünden

Ganztägig