Von der Ringelblume zum Rupertsberg


Kräftig gelb leuchtet die angenehm duftende Ringelblume, als wollte sie auf keinen Fall übersehen werden. In Salben, Tinkturen und Aufgüssen entfaltet sie manch heilende Wirkung. Hildegard von Bingen soll die erste gewesen sein, die in ihrem Buch über die Pflanzen die Heilkraft der „Ringula“ beschreibt. Wissenschaftlich belegt ist die positive Wirkung der Ringelblume (Calendula officinalis) bei Wunden, Verbrennungen und Ekzemen. Flüssig eingenommen wird ihr auch heilende Wirkung bei Problemen mit Magen, Darm, Galle und Leber nachgesagt. Die berühmte Nonne des Mittelalters ging noch weiter und schrieb: „Wer Gift isst oder wem Gift eingegeben wurde, koche Ringelblumen in Wasser und lege sie ausgedrueckt warm ueber den Magen. Das bringt das Gift in Bewegung und bringt es aus ihm heraus.“

Das Wissen ihrer Zeit fasste Hildegard von Bingen zusammen, indem sie nicht weniger als 217 Kräuter, Getreide, Gemüse und Blumen mit ihren heilsamen, aber auch schädlichen Eigenschaften genau beschrieb. Die vierte Etappe des Hildegard von Bingen Pilgerwanderweges legt den Schwerpunkt auf die Naturheilkunde der wohl berühmtesten Nonne des Mittelalters.

Die rund 13 Kilometer lange Etappe führt von der alten Weinbaugemeinde Monzingen über Nussbaum, Bad Sobernheim und Staudernheim ins Zentrum des Pilgerwanderweges auf den Disibodenberg. Im dortigen Kloster verbrachte Hildegard von Bingen rund 40 Jahre ihres Lebens. Die erste Informationstafel zum Thema „Pflanzen“ steht am Kräutergarten neben der evangelischen Kirche. Am Kräutergarten des Bad Sobernheimer Heimatmuseums, dem Priorhof, und im Freilichtmuseum Bad Sobernheim geben weitere Informationstafeln Auskunft über Hildegards Heilkräuterwissen.

Die spätgotische Disibodenberger Kapelle, die früher zum Sobernheimer Wirtschaftshof des Klosters Disibodenberg gehörte, ist heute eine gastliches Brauhaus, wo im alten Kapellenraum das Hildegard-Bräu ausgeschenkt wird. Immerhin hat Hildegard auch über das Bier lobende Worte verloren. Am Bad Sobernheimer Barfußpfad gibt die Tafel „Causae et Curae“ (Ursachen und Behandlungen) einen Überblick zu Hildegards Heilkunde. In Staudernheim lädt das „Naturmuseum“ zu einem Besuch und zum Studium der Tafel „Physica“ zu Hildegards Naturkunde ein.

Wanderer bei der Klosterruine Disibodenberg, Nahe

Wanderer bei der Klosterruine Disibodenberg auf dem Hildegard von Bingen Pilgerwanderweg, Nahe

Hildegard von Bingen lebte von 1098 bis 1179 in der edelsteinreichen Gegend zwischen Niederhosenbach, Disibodenberg und Bingen. Sie war überzeugt davon, dass Steine bei der Heilung spezifischer Beschwerden helfen können und beschrieb das genauer für 26 Edelsteine und Nichtedelsteine im vierten Buch ihrer „Physica“: „Jeder Stein enthält Feuer und Feuchtigkeit. Aber der Teufel schreckt vor edlen Steinen zurück und hasst und verachtet sie.“ Im Museum „Historische Weiherschleife“ bei Idar-Oberstein können die Besucher im Mineralienraum die Wirkung der Steine testen.

Äbtissin wurde Hildegard in Bingen, wo sie 1150 auf dem Rupertsberg ihr eigenes Kloster gründete. Ihr Werk „Scivias“ hatte sie damals schon zu einer Berühmtheit gemacht, doch in Bingen verfasste sie viele weitere Schriften, die sie von dort in alle Welt schickte.

Wer ihr heute in Bingen nah sein will, besucht den Rochusberg: In der Wallfahrtskirche gibt es einen kleinen Reliquienschrein mit einer Rippe der Heiligen und den Hildegard-Altar, der acht Szenen aus ihrem Leben zeigt. Von ihrem Kloster in Bingen ist hingegen nur noch ein Gewölbe übrig. Hildegard hatte das Bauwerk damals übrigens über dem Grab des Heiligen Rupert errichten lassen. Er gilt als Schutzpatron der Pilger – und wacht somit auch über den Hildegard-Pilgerweg.

Büste der Hildegard von Bingen in Bingen, Nahe /Rheinhessen

Büste der Heiligen Hildegard von Bingen in Bingen - eine Skultpur der Künstlerin Annette Esser, Nahe /Rheinhessen

Kloster- und Kräutergarten auf dem Rochusberg in Bingen, Nahe/Rheinhessen

Kloster- und Kräutergarten auf dem Rochusberg in Bingen, Nahe/Rheinhessen

Das Museum am Strom in Bingen offeriert in einer Dauerausstellung Wissenswertes über das Leben und Wirken der Prophetin, Kirchenlehrerin und Naturkundlerin auf der Grundlage historischer Forschungsergebnisse und aus verschiedenen Blickwinkeln auf die stets umstrittene Heilige. Im Kaiserjahr 2020 beschäftigt sich die Sonderausstellung „Die Kaiserflüsterin. Hildegard von Bingen und Friedrich Barbarossa – Fakten und Fiktionen“ vom 18. September bis 31. Oktober damit, wie die Begegnung der beiden herausragenden Persönlichkeiten des Mittelalters abgelaufen sein könnte, die vermutlich im Jahre 1163 in Ingelheim stattfand.

Der Hildegard von Bingen Pilgerwanderweg umfasst von Idar-Oberstein an der Nahe bis Bingen am Rhein auf 137 Kilometern Länge verschiedene Lebensstationen der Nonne, die als Natur- und Heilkundlerin sowie mit ihren theologischen Schriften eine der berühmtesten Frauen des Mittelalters und der Kirchengeschichte ist. Insgesamt 59 Tafeln am Wegesrand erläutern ihr Wissen und ihre Visionen.

Wanderung auf dem Hildegard von Bingen Pilgerwanderweg, Nahe

Wanderer bei einer Meditationstafel bei der Klosterruine Disibodenberg auf dem Hildegard von Bingen Pilgerwanderweg, Nahe

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