Fürstin Leonilla und die Reliquie der Heiligen Elisabeth


In Sayn bei Bendorf am Rhein steht ein wahres Märchenschloss. Fürst Alexander und Fürstin Gabriela zu Sayn-Wittgenstein-Sayn bewahren hier das Familienerbe und machten Sayn zu einem beliebten Ausflugsziel am Rhein. Im romantischen Sayner Schlosspark mit knorrigen Baumriesen, Teichen und Bächen liegt der gut beheizte Wohnort tausender Schmetterlinge aus tropischen Gefilden. In zwei Glaspavillons spaziert man zwischen Bananenstauden, prachtvoll blühenden Hibiskussträuchern und anderen tropischen Pflanzen, auf denen sich wunderschöne Schmetterlinge aus Südamerika, Afrika und Asien tummeln.

Interessant ist auch ein Besuch im nahen Schloss Sayn. Die Fürsten zu Sayn-Wittgenstein zählen zu den ältesten hochadeligen Familien Deutschlands mit einer bewegten Geschichte. In der „Blauen Halle“ steht alles im Zeichen des Haushalts von Fürst Ludwig und seiner Frau, der russischen Prinzessin Leonilla, die im 19. Jahrhundert in Sayn lebten. Zu sehen sind Silberbesteck sowie prachtvolle Gold- und Kristallschalen, die hervorgeholt wurden, wenn Kaiser und Könige zu Besuch kamen. Im Kabinett neben der „Blauen Halle“ wird vom Leben der Prinzessin in Russland erzählt. Ihre Mutter war Hofdame bei Zarin Alexandra Feodorowna, die Leonilla im Alter von neun Jahren an den Zarenhof holte. 1834 heiratete sie Fürst Ludwig zu Sayn-Wittgenstein.

Sie kauften 1848 das Schloss in Sayn und verwandelten es in eine fürstliche Residenz im neogotischen Stil. Die Treppen, Gaupen und Fenstergewände wurden in der benachbarten Sayner Hütte in einem für die bisherige Architekturgeschichte einmaligen Verfahren aus Gusseisen hergestellt. Der Bau des Schlosses sicherte über viele Jahre den Lebensunterhalt der Hüttenarbeiter und ihrer Familien.

Schloss Sayn in Bendorf-Sayn, Romantischer Rhein

Blick auf Schloss Sayn in Bendorf-Sayn, Romantischer Rhein

Prinzessin Leonilla richtete das Leonilla-Stift für die Betreuung der Kinder und Alten des Ortes ein. Die nach dem Revolutionsjahr 1848 verarmte Bevölkerung, die sogenannten Sayner Barfüßler, versorgte sie mit Schuhen und Kleidung.

Fürstlicher Salon von Schloss Sayn, Romantischer Rhein

Fürstlicher Salon von Schloss Sayn in Bendorf-Sayn, Romantischer Rhein

Innenansicht der Sayner Hütte, Romantischer Rhein

Innenansicht des Industriebaus Sayner Hütte in Bendorf-Sayn, Romantischer Rhein

Der ehemalige Besitzer des Schlosses, Graf Boos-Waldeck, schenkte der Fürstin eine kostbare Armreliquie der Heiligen Elisabeth, deren direkte Nachfahrin Leonilla war. Sie ließ für die Aufbewahrung des in einem mittelalterlichen Reliquiar gefassten Unterarmknochens der Heiligen in den Jahren 1860/61 eine Doppelkapelle nach dem Vorbild der Sainte Chapelle in Paris im gotischen Stil bauen. Die Fenster der Kapelle sind nach Entwürfen von Moritz von Schwind gefertigt. Die gusseiserne Chorschranke wurde in der Sayner Hütte hergestellt.

Goldener Altar in der Kapelle von Schloss Sayn, Romantischer Rhein

Goldener Altar mit der kostbaren Armreliquie der Heiligen Elisabeth in der Kapelle von Schloss Sayn, Romantischer Rhein

Die Armreliquie war im Auftrag von Elisabeths Tochter, der Äbtissin Gertrud von Altenberg, angefertigt worden und bis zur Säkularisation im Besitz des Klosters. Die letzte Äbtissin brachte die kostbare Reliquie 1803 bei ihrer Boos’schen Verwandtschaft in Sicherheit. In der Sayner Schlosskapelle fand sie ihren Platz in einem in Paris angefertigtem Schrein. In der Altarmensa sind Emaillerosetten mit den Bildnissen des Heiligen Wladimir aus der Familie der Fürstin Leonilla und der Seligen Äbtissin Jutta von Sponheim aus dem Sayner Fürstenhaus zu sehen. Die verloren gegangene Abbildung der mittleren Rosette zeigte Gertrud, die Tochter der Heiligen Elisabeth, als Äbtissin von Altenberg mit dem Reliquiar in den Händen.

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