Die Deutsche Weinstraße – ein Stück vom Paradies genießen


Aus drei Röhren fließt das Wasser in die aus rotem Sandstein gehauenen Becken. Nur ab und zu wird das Plätschern von Autos unterbrochen, die entlang der durch den Ort führenden Deutschen Weinstraße, der ältesten Wein-Touristik-Route Deutschlands cruisen. Die Versuchung, das aus Quellen des Pfälzerwaldes stammende Wasser, zu probieren, ist groß, wäre da nicht die Aussicht auf ein Gläschen Winzersekt, das Stübinger-Kohls wenige Minuten später servieren wird.

„Leinsweiler, oder Leesweiler, wie die Einwohner sagen, verdankt seinen Namen der schönen Landswinda. Ein fränkischer König gab ihr im 8. Jahrhundert den Ort zum Lehen“, sagt Stübinger-Kohls und führt ihre Gäste ein paar Schritte die Trifelsstraße hoch. Würde man jetzt einfach weiterlaufen, stünde man eine Stunde später vor Burg Trifels. Doch erst einmal wird hier Halt gemacht. Die vielen Torbögen der Häuser links und rechts geben einen unverwechselbaren Hinweis auf den Standort: Motive wie Weinreben, Amphoren und Sesel, also Winzermesser, zieren ihre Abschlusssteine und verraten dem Gast, dass er sich in einem Weinort befindet. Und dann sind da noch die Weinreben, die die Mauern hoch und über die Straße hinweg zur anderen Seite ranken. „Die Hausreben sehen nicht nur schön aus. Früher wurde daraus der Hauswein gemacht. Viel wichtiger aber: Ihre Wurzeln reichen bis zehn Meter tief. Sie ziehen die Feuchtigkeit aus dem Sandstein-Mauerwerk der Häuser und sorgen so für trockene Keller.“

Häuserfront in Leinsweiler, Pfalz

Farbenfrohe Häuserfronten in Leinsweiler, Pfalz

Mildes Klima, mediterrane Pflanzen

Nur ein paar Schritte weiter und schon steht man im von Zitronenbäumen und Oleander umsäumten Innenhof des Weinguts Stübinger, dem Elternhaus der sympathischen Pfälzerin. „Das Klima in der Pfalz ist so mild, dass hier sogar Oliven- und Feigenbäume wachsen“, sagt Stübinger-Kohls und reicht Erdbeeren und mit Riesling-Sekt gefüllte Gläser herum. Beim Anstoßen steigt die Vorfreude auf die bevorstehende Wanderung.

Eine schmale Gasse weist den Weg hoch Richtung Weinberge. Betörender Rosenduft liegt in der Luft. „Früher standen in jedem Wingert Rosenstöcke. Sie sind noch anfälliger für Mehltau als die Reben. Wenn also die Rosen von dem weißen Belag befallen waren, wussten die Winzer, dass es Zeit ist, sich um die Reben zu kümmern“, erklärt Stübinger-Kohls, rückt ihren kecken Strohhut zurecht und läuft voran zur Martinskirche. Die schlichte Dorfkirche mit der – unbedingt anschauen – malerischen Rückseite überrascht mit einem klangvollen Detail. „Wir haben wie die Elbphilharmonie eine Klais-Orgel. Gut, die Pfeifen sind kleiner und es sind auch ein paar weniger, aber die Akustik ist so brillant, dass regelmäßig Konzerte stattfinden.“ Bevor es weiter geht, öffnet die Pfälzerin ein Kistchen mit feinsten Chassis-Trüffelpralinen. Die in der Manufaktur Rebmann aus Bad Bergzabern mit besten Zutaten hergestellten Schokoladen-Köstlichkeiten schmelzen förmlich auf der Zunge.

Genusstour an der Deutschen Weinstraße, Pfalz

Gästeführerin bei einer Genusstour an der Deutschen Weinstraße, Pfalz

Genusstour bei Leinsweiler, Pfalz

Wanderer bei einer Genusstour rund um Leinsweiler, Pfalz

Kleiner Weinort, große Weine

Jetzt aber in die Wingerte. Früher war quasi jeder Leinsweilerer auch Winzer. Heute gibt es in dem 430 Einwohner zählenden Ort noch sechs Weingüter. „Winzer müssen heute ein Gespür dafür haben, was die Leute morgen trinken wollen. Es dauert mindestens drei Jahre, bis ein neu gepflanzter Wingert den ersten Ertrag bringt. 30 bis 35 Jahre bleibt er dann bestehen.“ Die Böden in Leinsweiler sind vielfältig – Buntsandstein, Muschelkalk und Lehm-Löss – und die Weine schon seit langem beliebt - bereits 1238 wird die Lage Kirchholz erwähnt.

Die Nachmittagssonne taucht den verträumten Ort, die sanften Hügel und Wingerte in zauberhaftes Licht. Von Südwesten weht eine angenehme Brise. Die Pfalz zeigt sich, wie zu erwarten, von ihrer besten Seite. Die Wanderung führt nun ein Stück den Pfälzer Mandelpfad entlang, jenem 100 Kilometer langem Wanderweg, der sich vom Deutschen Weintor in Schweigen-Rechtenbach mitten durch die Weinberge bis nach Bockenheim an der Weinstraße zieht. Von dem rosafarbenen Blütenmeer ist jetzt im Sommer zwar nichts mehr zu sehen, dafür werden nun Mandelspezialitäten gekostet. Stübinger-Kohls hat selbst gemachte Rauch- und Salzmandeln und einen sehr süffigen Mandelblütenlikör vom ortsansässigen Weingut Schäfer mitgebracht. „Die Pfälzer Krachmandeln stammen von den weiß blühenden Bäumen. Sie sind im Gegensatz zu den Bittermandeln der rosa blühenden Bäume essbar.“ Ach ja, die Mandel ist eine Steinfrucht und keine Nuss, erfährt man. „Auch die Mandelbäume haben eine lange Tradition in den Weingärten. Sie spenden Schatten, aber ihre schmalen Blätter lassen noch genügend Licht für die Reben durch. Um Einkommen und Ernährung sicherzustellen, gab es früher Anordnungen, Mandelbäume anzupflanzen.“

Regionale Spezialitäten von der Deutschen Weinstraße, Pfalz

Regionale Spezialitäten von der Deutschen Weinstraße, Pfalz

Jetzt noch eine Mandel in den Mund schieben und krachen lassen, dann geht’s weiter, bis man auf den Kastanienweg, oder auf gut pfälzisch Keschdeweg, und ein Prachtexemplar einer Esskastanie stößt. Die in Deutschland eher seltenen Bäume fühlen sich in der sonnenverwöhnten Pfalz richtig wohl. „Alles, was heute im Weinbau Draht ist, war früher robustes Kastanienholz. An der Blüte können Sie ablesen, wann die Weinlese beginnt. Rund 100 Tage nach Blühbeginn wird geherbstet“, sagt Stübinger-Kohls und macht ihren Gästen den Mund wässrig: „Leckeres Kastanienpesto gibt es auf dem Rückweg.“

Grandiose Aussicht, himmlischer Genuss

Es geht noch höher hinaus bis zum Slevogthof unterhalb der Burg Neukastell. Von hier aus könnten kann man weiter auf dem 172 Kilometer langen Premium-Fernwanderweg Pfälzer Weinsteig oder dem neuen Slevogt-Wanderweg gehen. Beide sollten auf der Wanderziel-Wunschliste nicht fehlen. „Slevogt“, erklärt Stübinger-Kohls, „hat mit seiner Malerei die Pfalz in die Welt getragen. Leinsweiler war seine Wahlheimat.“ Bevor der Rückweg angetreten wird, schweift der Blick über die Madenburg und die Rheinebene. Im Schatten eines Baumes hat Stübinger-Kohls eine kleine Tafel gedeckt. „Wow, wie lecker. Das kannte ich ja noch gar nicht“ stellen die Gäste immer wieder fest. Gemeint ist Pfälzer Dubbes, eine Kräutermischung der Wonnegauer Ölmühle aus gerösteten Mandeln, Nüssen und Gewürzen, die mit in Rapsöl getunktem Brot himmlisch schmeckt. Ebenso nach mehr schmeckt das angekündigte Kastanienpesto. Und dazu natürlich – wir sind in der Pfalz! – ein Schoppeglas mit Rieslingschorle.

Beschwingt spaziert man zurück zum Ausgangspunkt. Nun doch das Wasser aus dem Brunnen probieren? Kommt gar nicht infrage, schließlich liegen noch die Aromen der Pfälzer Köstlichkeiten auf der Zunge und die möchte man möglichst lange genießen.

Mehr Ausflugstipps für Kultur- und Naturliebhaber an der Deutschen Weinstraße:


Mehr Infos zum Urlaub an der Deutschen Weinstraße

Erfahren Sie alles zu Veranstaltungen, Sehenswürdigkeiten und mehr Ausflugszielen an der Deutschen Weinstraße.

Pfalzcard: Die Gästekarte für Ihren Pfalz-Urlaub

Genießen Sie Ihren "all-inclusive"-Urlaub mit der Pfalzcard: In der gesamten Region können Sie während Ihres Aufenthalts den ÖPNV und mehr als 100 Freizeitangebote kostenfrei nutzen. Sie erhalten die…

Pfälzer Weinsteig

leicht

185,4 km

57:00 h
Der Pfälzer Weinsteig ist Pfalz pur: Abwechselnd führt der 172 Kilometer lange Weg auf verträumten…

Pfälzer Mandelpfad (Hauptweg)

mittel

101,1 km

20:45 h
Lassen Sie sich betören vom frühesten Frühling in Deutschland, von rosa Blütenzauber, von den Weinen…

Radweg Deutsche Weinstraße

schwer

98,6 km

7:00 h
Auf knapp 100 km entdecken wir Deutschlands zweitgrößtes Weinanbaugebiet und erleben die…
Hambacher Schloss -  Rolf Schädler

Hambacher Schloss

Reisen für Alle Barrierefreiheit geprüftReisen für Alle Menschen mit Gehbehinderung Stufe 2Reisen für Alle Rollstuhlfahrer Stufe 2Reisen für Alle Menschen mit Sehbehinderung Stufe 1
Neustadt/Weinstrasse Das Hambacher Schloß wurde 1832 zur "Wiege der deutschen Demokratie" (Theodor Heuß) und zur Demonstration für nationale Einheit und Freiheit....
Burg Trifels

Reichsburg Trifels

Annweiler am Trifels Die Burg Trifels war eine bedeutende Reichsfeste in der Zeit der Staufer-Kaiser. Sie liegt oberhalb des Städtchens Annweiler im Süden der Pfalz.