Dramen und Romanzen im Eifel-Schloss


Architektonisch betrachtet gilt eine Burg als ein in sich geschlossener Wehrbau. Wird der Wehrbau jedoch zur Wohnstätte mit prächtiger Innenausstattung, verwandelt sich die vormalige Burg sprachlich wie wohnlich in ein Schloss. Meist waren diese Burgen und Schlösser von adligen Familien oder gekrönten Häuptern bewohnt, deren Schicksale oft in die Geschichte eingingen oder gar zu Sagen wurden. So geschehen auch auf Schloss Bürresheim in der Eifel. Das Erbauungsdatum des markanten und noch vollständig erhaltenen Schlosses geht auf das 12. Jahrhundert zurück und diente für viele Generationen den Freiherren von Breidbach zu Bürresheim als Wohnsitz. Eine Familie, die, wie wohl die meisten, nicht ganz ohne Streitereien und Dramen auskam.

So soll Freiherr Diether von Breidbach zu Bürresheim ein raubeiniger und jähzorniger Zeitgenosse gewesen sein, unter dem vor allem seine Frau und seine Tochter Irmgard litten. Die Dinge liefen aus dem Ruder, als Diether von Breidbach sich ausgerechnet in das Liebesleben seiner Tochter einmischte. Diese soll nämlich glücklich verlobt gewesen sein mit Georg von Kempenich – einem jungen, gutaussehenden Adelsmann von einer der Nachbarburgen. Doch Diether von Breidbach überging die Verlobung und versprach seine Tochter kurzerhand einem anderen. Irmgard soll entsetzt gewesen sein über diese Entscheidung und weigerte sich, der Hochzeit zuzustimmen.

Und wie hätte es daraufhin anders kommen sollen, als dass ihr Vater sie, rasend vor Wut über ihren Ungehorsam, in den modrigen, kalten und dunklen Turm der Burg sperren ließ? Der Verzweiflung nahe, blickte Irmgard in der Abenddämmerung aus dem Fenster ihres Turmgefängnisses und entdeckte ganz in der Nähe eine dunkle Gestalt. Es war kein geringerer als ihr Geliebter Georg von Kempenich, der ihr zur Hilfe eilen wollte. Er gab ihr ein Zeichen zur Seite zu treten und warf ein Stein mit einem daran gebundenen Brief zu ihr in den Turm.

In dem Brief schrieb Georg, dass er ein Seil zu ihr hinauf werfen werde und sie diesen fest anbinden solle, damit er daran hinauf klettern könne. Gesagt, getan und fortan besuchte Georg seine Geliebte jede Nacht in ihrem Turm. Er bat sie gar mit ihm zu fliehen, doch Irmgard hoffte noch immer auf ein Einlenken ihres Vaters und entschied sich gegen die Flucht.

Ein fataler Fehler. Nur wenige Tage später zechte und feierte ihr Vater mit einer Jagdgesellschaft in seinem Schloss. Als ihm zu Ohren kam, dass Stimmen und Gekicher aus dem Turm zu hören waren, entbrannte erneut seine Wut. Zu spät hörte das Paar seine schweren, zornigen Schritte. Irmgard und Georg waren völlig unbewaffnet, während Diether von Breidbach sein Schwert zog und auf seine Tochter losging. Ohne zu zögern warf sich Georg schützend vor Irmgard, doch Diether von Breitbach holte aus und streckte den jungen Adelsmann mitleidslos nieder. Georg von Kempenich verblutete in den Armen seiner Geliebten.

Innenansicht Schloss Bürresheim in St. Johann, Eifel

Besichtigung im Schloss Bürresheim in St. Johann, Eifel

Schlossgarten von Schloss Bürresheim bei St. Johann, Eifel

Blick auf den wunderschönen Schlossgarten von Schloss Bürresheim bei St. Johann, Eifel

Als die Kempenicher erfuhren, was ihrem Herren zugestoßen war, schworen sie Rache und überfielen ohne Vorwarnung das Schloss. Diether von Breidbach sah keinen Ausweg und rannte die Treppe des Turmes hinauf, um sich zu verschanzen. Doch als auch dies nichts mehr half, stürzte er sich in seiner Not aus dem Turm in die Tiefen. Die Kempenicher verschonten das Schloss auf Bitten Irmgards, welche aus Trauer um ihren Geliebten bald darauf ins Kloster ging. Nur der jähzornige Freiherr Diether von Breidbach zu Bürresheim scheint bis heute keine Ruhe zu finden. Laut wehklagend soll er Nacht für Nacht um den Bergfried wandeln, was dem Turm den Namen „Hexenturm“ gab.

Schloss Bürresheim bei St. Johann, Eifel

Das Schloss Bürresheim bei St. Johann, Eifel


Wer jetzt denkt, dies wäre die einzige Geschichte um Schloss Bürresheim, hat weit gefehlt. Auch aufgrund seiner Architektur und Unversehrtheit ist das Schloss bis weit über seine Landesgrenzen hinaus bekannt und dient als Inspiration und Filmkulisse: Der ARD-produzierte Märchenfilm „Rumpelstilzchen“ wurde beispielsweise hier gedreht. Ebenso weiß Hollywood das Schloss zu schätzen und so können Fans des Blockbusters „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ mit Harrison Ford das fiktive Schloss Brunwald als Schloss Bürresheim identifizieren.

Schloss Bürresheim wird heute von keiner Adelsfamilie mehr bewohnt, sondern von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz gepflegt und verwaltet. Die Türen sind für Besucher geöffnet und Führungen durch das Schloss zeigen die einzigartige Architektur, die ehemalige adlige Lebensweise und sicherlich bleibt dem Besucher auch ein Blick auf den „Hexenturm“ nicht verwehrt.

Und Schloss Bürresheim hat noch ein weiteres Highlight zu bieten: einen wundervoll angelegten Schlossgarten. Dieser entstand bereits 1683 an der Südwestseite des Schlosses als französischer Terrassengarten im Stil des Barock. In seiner heutigen Form wurde er 1952 rekonstruiert. Er lädt zum Verweilen und Träumen ein. Von jungen Adelsmännern und Prinzessinnen, von Harrison Ford, Märchen und Sagen und einem Schloss, dessen Mauern noch viel zu erzählen haben...

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