Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht


Gleich drei herausragende Bauwerke entlang des Rheins zeigen, dass die Region im Mittelalter ein wichtiges Zentrum des Heiligen Römischen Reichs war: die mächtigen Kaiserdome in Mainz, Worms und Speyer, die nicht mal 100 Kilometer auseinander liegen. Einer ist größer und eindrucksvoller als der andere – und das sollten sie auch sein: beeindruckende Monumente der Macht. Im romanischen Stil wurden sie erbaut, doch das Erscheinungsbild der mittelalterlichen Kathedralen hat sich über die Jahrhunderte verändert. Sie wurden im Stil der folgenden Epochen umgebaut, erweitert oder auch geplündert und zerstört.

Es begann mit dem Dom in Mainz: Erzbischof Willigis, der zugleich Kanzler des Deutschen Reiches war, legte um 975 den Grundstein und ließ ihn als Basilika mit einem ausladenden Querschiff anlegen. Er hatte dabei ein prominentes Vorbild im Auge: St. Peter in Rom, der Vorgängerbau des heutigen Petersdoms. Willigis war schließlich nicht irgendwer, sondern nördlich der Alpen der Stellvertreter des Papstes, und so sollte künftig ruhig ein Hauch von Rom durch Mainz wehen.

Nur kurze Zeit später folgte der Dom zu Speyer. Sein Erbauer, der salische König und spätere Kaiser Konrad II., wollte, dass er alle anderen Kirchen seiner Zeit in den Schatten stellt. Geweiht wurde das monumentale Bauwerk 1061 – und nachdem er mit seinen mächtigen Maßen tatsächlich den Mainzer Dom überflügelt hatte, legte man dort schleunigst nach und erweiterte das Gotteshaus.  

In Worms begann man 1130 mit dem Bau. Bischof Burchard fand seine bisherige Kirche zu klein und verlangte nach einem neuen Dom. Schließlich war er zuvor an der Seite von Willigis in Mainz gewesen und hatte von ihm gelernt, wie man sich ein Denkmal setzt. Das sollte nun mit Dom St. Peter zu Worms geschehen: Über 150 Meter lang und fast 40 Meter breit ist das Ergebnis – und ein schönes Beispiel mittelalterlicher Baukunst.

Dom St. Peter in Mainz, Rheinhessen

Dom St. Peter in Mainz, Rheinhessen

Die romanische Architektur wurde später durch gotische Anbauten und barocke Pracht im Altarraum ergänzt – und um künstlerisch gestaltete Glasfenster aus den 1960er-Jahren. In den 1920er-Jahren sind alle Fenster, die aus vergangenen Zeiten noch übrig waren, bei einer gewaltigen Explosion in einer 20 Kilometer entfernten Chemiefabrik zerborsten.

Alle drei Städte waren Schauplätze großer Kirchensynoden, Reichs- und Hofversammlungen – die Region war damals ein Zentrum des politischen und geistigen Lebens. Was sich im Mittelalter hier am Rhein unter den Herrschenden abspielte, kann man vom 9. September 2020 bis zum 18. April 2021 in der großen Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht – von Karl dem Großen bis Barbarossa“ erfahren. Hinter dem Projekt stehen das Landesmuseum Mainz und die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, die 2020 zum Kaiserjahr erklärt hat.

Landesausstellung "Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht" in Mainz, Rheinhessen

Landesausstellung in Mainz: "Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht", Rheinhessen

Jüdischer Friedhof in Worms, Rheinhessen

Jüdischer Friedhof in Worms, Rheinhessen


Die Ausstellung erzählt vom Ringen um Macht, von Ritterkult und kirchlichen Ritualen, von politischen Deals und diplomatischen Manövern einer Epoche. Sie zeigt hochkarätige Leihgaben aus ganz Europa, wie die Goldene Bulle aus Wien oder das Armreliquiar Karls des Großen aus Paris. Sie veranschaulicht außerdem, dass die Macht der Kaiser nur im Zusammenspiel mit anderen möglich war – mit weltlichen und geistlichen Fürsten, mit Bischöfen und auch mit den bedeutenden jüdischen Gemeinden in Mainz, Worms und Speyer. Als SchUM-Städte waren sie damals bekannt. Der Name setzt sich zusammen aus den hebräischen Anfangsbuchstaben der mittelalterlichen Städtenamen Schpira (Speyer), Magenza (Mainz) und Warmaisa (Worms), wobei Letzteres als U gesprochen wird. Ihre Blütezeit lag im 11. Jahrhundert, damals prägten sie die Architektur, Kultur, Religion und Rechtsprechung und damit das gesamte europäische Judentum, es war sogar vom „Jerusalem des Westens“ die Rede.

Nach den Zerstörungen durch die Nationalsozialisten sind nur wenige Zeugnisse dieser Zeit übrig geblieben. In Worms befindet sich der älteste erhaltene jüdische Friedhof Europas und eine Mikwe, ein jüdisches Ritualbad. Auch die zerstörte Synagoge wurde wiederaufgebaut und 1961 eröffnet. In Speyer kann man ebenfalls eine Mikwe besichtigen, dort sind außerdem Reste der Synagoge erhalten. In Mainz liegt auf dem Gelände des mittelalterlichen jüdischen Friedhofs ein Denkmalfriedhof, auf dem jüdische Grabsteine, die bei Bauarbeiten gefunden wurden, versammelt sind. Weil ihre Geschichte einzigartig ist, wurde inzwischen auch der Antrag gestellt, das Erbe der SchUM-Städte als UNESCO-Welterbe anzuerkennen.

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